
Bereitstellende Ökosystemleistungen
Holzbereitstellung
Beschreibung
Wälder erbringen eine Vielzahl von Ökosystemleistungen. Die Produktion von Rohholz ist darunter eine Ökosystemleistung mit höchster Priorität. Als Deutschlands bedeutendster nachwachsender Rohstoff wird Holz untern anderem als Baumaterial, Rohstoff oder Energieträger eingesetzt, wodurch fossile Materialien ersetzt und geschont werden (Syrbe et al. 2022). Der Produktionswert der Rohholzproduktion in den deutschen Wäldern betrug im Jahr 2016 für ganz Deutschland ca. 7,1 Milliarden Euro brutto, also vor Abzug von Erntekosten (Lorenz et al. 2020: 3).
Die Ökosystemleistung Holzbereitstellung wird durch folgende Indikatoren charakterisiert:
Der Hauptindikator „Jährlicher Holzzuwachs“:
Der jährliche Holzzuwachs entspricht hier dem Zuwachs des Vorrates in m³/ha*a, d.h. der Holzmenge lebender Bäume (Thünen-Institut, 2025). Der Hauptindikator soll dabei das jährliche Potenzial des Waldes zur nachhaltigen Rohstoffgewinnung abbilden (Grunewald et al., 2016). Nachhaltige Waldbewirtschaftung ist nach dem Begründer des Nachhaltigkeitsbegriffes sowie nach Bundeswaldgesetz jene, welche mindestens ein Gleichgewicht zwischen Holzzuwachs und Holznutzung herstellt (von Carlowitz, 1713; Bundeswaldgesetz, 1975).
Der Nebenindikator „Waldfläche pro Bundesland“:
Die Waldfläche steht hier als Nebenindikator stellvertretend für alle Ökosystemleistungen von Wäldern im Allgemeinen.
Der Nebenindikator „Holzvorrat relativ zur Waldfläche“:
Der Indikator veranschaulicht die Produktivität der Waldflächen am Ende der Inventurperiode.

Quelle: IÖR/TU Dresden
Jährlicher Holzzuwachs
(2012)
Artikel in Ecological Indicators (englisch)
Jährlicher Holzzuwachs 2012-2022
(v. Thünen Institut)

Jährlicher Holzzuwachs
2012-2022
Innerhalb der Jahre zwischen 2012 und 2022 betrug der durchschnittliche Zuwachs in Deutschland etwa 9,41 m3/ha*a. Die höchsten Zuwächse konnten in Baden-Württemberg, Bayern und Schleswig-Holstein beobachtet werden. Der jährliche Holzzuwachs in Berlin war am geringsten und nur etwa halb so hoch wie in den drei zuwachsstärksten Bundesländern. Damit hat der jährliche Holzzuwachs um ca. 16 % im Vergleich zur vorherigen Bundeswaldinventur (BWI) abgenommen.
Die Waldfläche hat im Inventurzeitraum 2012-2022 geringfügig um etwa 15.000 ha zugenommen. Daraus ergab sich eine Gesamtfläche von 11,5 Mio. ha Wald, welche 32 % der Gesamtfläche von Deutschland bedeckte. Der Holzboden nahm dabei mit Abstand den größten Anteil ein.
Der Holzvorrat im Wald lag am Ende der Inventurperiode im Jahr 2022 bei 335 m3/ha und ist damit insgesamt deutschlandweit etwa auf dem Niveau von 2012 geblieben. Es konnte ein Rückgang des Vorrates von Nadelbaumarten verzeichnet werden. Dieser ergab sich aus dem Rückgang des Vorrats an Fichten, der durch einen Anstieg der Vorräte von Douglasie und Tanne mehr als ausgeglichen wurde. Der Anstieg des Vorrates an Laubbaumarten wird vorwiegend durch Ahorn ausgemacht. Verluste am Holzvorrat sind beispielsweise durch Kalamitäten wie Insektenbefall, Dürre oder Sturm aufgetreten, dennoch konnte das Holz oft noch genutzt werden. Besonders stark war der kalamitätsbedingte Einschlag innerhalb der Inventurperiode (2012-2022) in Thüringen, Nordrhein-Westfahlen und im Saarland, auch Hessen und Rheinland-Pfalz waren stark betroffen. Besonders die Dürre und der damit verbundene Borkenkäferbefall ab 2018 hatte einen großen Einfluss gehabt. Für die Fichte sind Kalamitätsschäden am größten gewesen, sodass es bei dieser Baumart zu einem starken Vorratsverlust im Vergleich zur dritten BWI gekommen ist.
In der Inventurperiode (2012-2022) betrug die Holzernte (Erntefestmeter ohne Rinde) insgesamt ca. 707 Mio. m³, umgerechnet also 72,6 Mio. m³ pro Jahr. Im Vergleich zur vorherigen Inventurperiode (2002-2012) wurde damit ein leichter Rückgang der Nutzung beobachtet.
Aufgrund des Rückgangs des durchschnittlichen jährlichen Holzzuwachses sowie des insgesamt genutzten Vorrates haben die deutschen Wälder im Zeitraum zwischen der dritten und vierten BWI an Funktionalität eingebüßt, zur Holzbereitstellung beizutragen. Allerdings gibt es keine Übernutzung, da die Entnahme von Rohholz sich im Zeitraum 2012-2022 nur geringfügig änderte und die rückläufigen Gesamtwerte des genutzten Vorrates deutlich unter dem Zuwachs liegen.
Zu beachten ist ein Rückgang der Fichte als zuwachsstärkste Baumart durch Kalamitäten, aber auch durch den Waldumbau. Stattdessen findet in den Wäldern eine zunehmende Baumartenmischung statt, zusammen mit einer vielseitigeren Schichtung und Alterung der Wälder. Dies bedeutet eine beginnende Waldentwicklung in Richtung Klimaresilienz und zur Verbesserung seiner ökologischen Funktionen

Die Indikatoren basieren auf Daten der dritten und vierten Bundeswaldinventur (3. BWI: Thünen-Institut 2012; 4. BWI: BMEL 2024 bzw. Thünen-Institut 2025), die laut Bundeswaldgesetz alle 10 Jahre durchzuführen sind, also auch in Zukunft anfallen werden. Dabei wurde ein Stichprobennetz in ganz Deutschland angewendet, wobei die Länder eine Rasterdichte von mindestens 4 x 4 km² (sog. Basisnetz) einzuhalten hatten (BMEL, 2024). Einige Länder verdichteten die Datenerhebung, indem sie das Basisnetz verdoppeln oder vervierfachen, um eine genauere Datengewinnung zu gewährleisten (BMEL, 2024). Die Daten sind nur auf Ebene der Bundesländer verfügbar.
Karte und Datentabellen konnten der Ergebnisdatenbank des Thünen-Instituts entnommen werden (Thünen-Institut, 2025). Sie beziehen sich auf den begehbaren Anteil des Waldes, wo beispielsweise kein Betretungsverbot durch Truppenübungsplätze oder keine gefährlichen Geländebedingungen gegeben waren (BMEL, 2024). Erfasst wurde der Vorrat an Derbholz, also Bäume mit einem Brusthöhendurchmesser ab 7 cm in allen Bestandsschichten (BMEL, 2024).
Berechnung:
Hauptindikator „Jährlicher Holzzuwachs“
Der Zuwachs wurde aus der dritten und vierten BWI berechnet (Thünen-Institut, 2025).
Nebenindikator „Waldfläche pro Bundesland“
Erfasst wurde die Gesamtwaldfläche einschließlich des nicht begehbaren Waldes und Lücken (Thünen-Institut, 2025). Daten sowie die Karte konnte der Ergebnisdatenbank des Thünen-Instituts entnommen werden (Thünen-Institut, 2025).
Nebenindikator „Holzvorrat relativ zur Waldfläche“
Die Daten sowie die Karte für den Indikator Holzvorrat am Ende der Inventurperiode relativ zur Waldfläche konnten der Ergebnisdatenbank des Thünen-Instituts entnommen werden (Thünen-Institut, 2025). Da nur im begehbaren Teil des Waldes Daten aufgenommen wurden und nur der Holzboden relevant für den Holzvorrat war, beziehen sich die Daten auf den begehbaren Anteil des Holzbodens einschließlich Lücken (Thünen-Institut, 2025).
BWI (2012) Thünen-Institut, Dritte Bundeswaldinventur - Ergebnisdatenbank, bwi.info, Aufruf am: 01.03.2015, Auftragskürzel: 77Z1PB_L458mf_0212_bi / 2014-12-23 0:28:27.023 (Zuwachs)
räumliche Bezugsebene:
Waldflächen der Deutschen Bundesländer
Zeitschnitte:
2012 und 2022 (aus Daten der beiden letzen Bundeswaldinventuren)
Hauptindikator:
Jährlicher Holzzuwachs
Nebenindikatoren:
Waldfläche pro Bundesland, Holzvorrat relativ zur Waldfläche
Ralf-Uwe Syrbe, Karsten Grunewald, Emily Fischer