Regulierende Ökosystemleistungen

Potenzielle Bestäubungsleistung (Wildbienenhabitate)

Beschreibung

Reich strukturierte und vielfältig genutzte Landschaften bieten wichtige Lebensräume für eine Vielzahl an Insekten, von denen viele – insbesondere Wildbienenarten – wichtig sind für die Bestäubung von Blütenpflanzen. Die natürlichen Bestäubervorkommen tragen zu stabilen Ernten in der Landwirtschaft und damit zur Ernährungssicherheit der Bevölkerung bei.

Der Wert des Indikators "Potenzielle Bestäubungsleistung" zeigt die Verfügbarkeit geeigneter Nist- und Nahrungshabitate für Wildbienen an. Dazu werden Anteile der potenziellen Blütenverfügbarkeit (also die Nahrung der Insekten) und von Nisthabitaten (ihr Lebensraum) für kleine einzeln lebende Wildbienen in Abhängigkeit von der Landnutzung bzw. dem Anteil naturnaher Kleinstrukturen abgeschätzt. Darauf aufbauend wird ermittelt, ob Nahrungs- und Nisthabitate genügend nahe (im Flugradius der Insekten) beieinander liegen. Die potenzielle Bestäubungsleistung wird ermittelt aus der Entfernung einer jeden Nutzfläche zu den Räumen mit hohem potenziellen Bestäubervorkommen, also hochwertigen, naheliegenden Nahrungs- und Nisthabitaten.

Quelle: IÖR


Datenzugang (Links)


Interpretation

Gebiete mit mittleren bis hohen Bestäubungsleistungen finden sich vor allem in Mittelgebirgen, den Alpen und vielfältig strukturierten Landschaften im Tiefland. Nadelwälder, z. B. in Brandenburg und Bayern erhielten mittlere Werte. Mit niedrigen Werten heben sich die intensiv agrarisch genutzten Landschaften, aber auch städtische Bereiche ab. Gebiete mit homogenen, sehr großen Agrarflächen und wenig Gehölzstrukturen bieten wenig guten Lebensraum für Wildbienen. Das führt dazu, dass vor allem die Magdeburger Börde und das Thüringer Becken besonders niedrige Werte erhielten. Städte wie Berlin, Hamburg und Bremen sowie das stark besiedelte Ruhrgebiet zeigen nach unserem Indikator durchweg schlechte Werte. Städte werden vermutlich als geeignete Habitate unterschätzt in diesem Ansatz, weil ein großer Teil der urbanen Vegetation nicht in den Ausgangsdaten vorhanden ist. Für Deutschland insgesamt ergibt sich ein Durchschnittswert von 0,23 (auf einer ordinalen Skala von 0 bis 1, wobei 0 für keine und 1 für eine hohe Bestäubungsleistung steht) für das relative Bestäubungspotential für Solitär-Wildbienen mit geringem Aktionsradius für das Bezugsjahr 2015. Trends können noch nicht abgeleitet werden.


Methodik und Formel

Originalmethodik: Zulian, G., Maes, J., Paracchini, M. L. (2013a): Linking Land Cover Data and Crop Yields for Mapping and Assessment of Pollination Services in Europe. Land 2(3), 472–492

Angepasst auf Deutschland in folgenden Schritten:

  1. Erzeugung von potenziellen Saumflächen entlang von Gewässern, Straßen, Wegen, Gehölzen und Waldrändern sowie Zuweisung von Werten potenzieller Blütenverfügbarkeit und von Nisthabitaten
  2. Untersuchung der möglichen Flugdistanzen im Datensatz mit einem ‚Moving Window‘-Verfahren zur Ermittlung der potenziellen Nahrungsgebiete
  3. Überlagerung der potenziellen Nisthabitate und der potenziellen Nahrungsgebiete zur Erstellung einer Karte des relativen Bestäubervorkommens.
  4. Bearbeitung des Bestäubervorkommens mit dem ‚Moving Window‘ zur Bestimmung des relativen Bestäubungspotentials
  5. Ausmaskierung von Flächen, die keine Bestäubungsleistung benötigen oder bieten, z. B. offene Wasserflächen, vegetationsfreie Flächen und Gletscher.

Metadaten

räumliche Bezugsebene:

Deutschland, terrestrische Landfläche, vollständig

Zeitschnitte:

2015 (3-jährig geplant)

Hauptindikator:

Potenzielle Bestäubungsleistung (Wildbienenhabitate)

Nebenindikatoren:

Potenzielles Bestäubervorkommen (Zustandsindikator)