
Regulierende Ökosystemleistungen
Vermeidung der Wassererosion
Beschreibung
Bodenerosion durch Wasser beschreibt den Prozess, bei dem Boden durch Niederschläge abgetragen und fortgespült wird. Dadurch geht die fruchtbare oberste Bodenschicht zusammen mit ihrem Humusgehalt, den dort gespeicherten Nährstoffen und Wasser verloren. Dieser Prozess bedroht die Ertragsfähigkeit der Böden und somit die Ernährungssicherheit der Menschen. Faktoren wie Bodenart, Vegetationsbedeckung, Hangneigung und landwirtschaftliche Nutzung beeinflussen die Menge des erodierten Bodens.
Für die verschiedenen Aspekte wurden mehrere Indikatoren entwickelt:
Der Hauptindikator “H Vermiedene Wassererosion” beschreibt die modellierte mittlere jährliche Masse an Bodensubstanz, deren Erosion durch die vorhandene Vegetationsbedeckung verhindert wird. Der Indikator wird aus der Differenz aus einer angenommenen (hypothetischen) Abtragsrate ohne Vegetation und der modellierten aktuellen Erosion (N1) unter der aktuellen Vegetation ermittelt.
Der Nebenindikator "N1 Aktuelle Wassererosion" beschreibt die modellierte mittlere jährliche Masse an Bodensubstanz, die durch Erosion verloren geht.
Landschaftselemente wie Baumreihen, Hecken und Säume können die Wassererosion vermindern. Der Nebenindikator "N2 Vermiedene Wassererosion durch Kleinstrukturen" beschreibt den speziellen Beitrag dieser Elemente zur Erosionsvermeidung und ist rechnerisch im Hauptindikator H ebenfalls enthalten.
Die Erosion kann durch konservierende Bodenbearbeitung (wie z. B. nicht pflügen) oder durch Ökolandbau im Ackerland reduziert werden. Letztere Information wird im Nebenindikator "N3 Anteil des ökologischen Landbaus am Ackerland" abgebildet, der aus statistischen Daten abgeleitet wurde, jedoch rechnerisch nicht in den anderen Indikatoren enthalten ist.

Quelle: IÖR
Die vermiedene Wassererosion ist relevant auf allen geneigten Flächen, auf denen Vegetationsbedeckung zu weniger Bodenverlust führt. Je höher der Wert, desto weniger wird abgetragen. In flacheren und somit in kaum Wasser-erosionsgefährdeten Gebieten ist der Indikatorwert gering, während er im steilen Gelände (z. B. Gebirgshängen, die mit Wald und Grünland bewachsen sind) hoch ist.
Im Mittel halten die deutschen Ökosysteme 16,7 t Boden pro Hektar im Jahr 2015 zurück, der sonst durch Wasser abgetragen worden wäre; dies ist eine Größe, die sich absolut in Deutschland auf eine halbe Milliarde Tonnen summiert. Vor allem in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz mit größeren Anteilen an Hoch- und Mittelgebirgen (durch die dortigen Wälder und Grünland) gibt es die höchsten Vermeidungsraten. Bundesländer im Tiefland haben eine geringe natürliche Erosionsdisposition, weil dort vergleichsweise weniger Erosion zu vermeiden ist. Im Vergleich der Jahre 2012 bis 2015 sind die Leistungen geringfügig gesunken.

Hauptindikator H "Vermiedene Wassererosion":
H = A (hypothetisch ohne Bodenbedeckung) – A (bei aktueller Bodenbedeckung = N1)
Nebenindikatoren N1 "Aktuelle Wassererosion" incl. N2 "Vermiedene Wassererosion durch Kleinstrukturen"
Zur Berechnung der Erosion wird die Allgemeine Bodenabtragsgleichung genutzt
(ABAG, Schwertmann et al. 1990)
A = K × R × L S × C × P
A: Mittlerer Bodenabtrag; Faktoren:
K: Erodierbarkeitsfaktor (abgeschätzt aus Boden-Übersichtskarte BÜK)
R: Regenerosivitätsfaktor (berechnet aus Niederschlagsdaten des DWD)
L S: Topographiefaktoren (Hanglänge L, Hangneigung S, berechnet aus DHM)
C: Bearbeitungsfaktor (berechnet aus Daten der Agrarstatistik der Bundesländer)
P: Erosionsschutzmaßnahmen (nicht bewertet)
räumliche Bezugsebene:
Deutschland, terrestrische Landfläche, vollständig
Zeitschnitte:
2012, 2015 (3-jährig)
Hauptindikator:
H Vermiedene Wassererosion
Nebenindikatoren:
N1 Aktuelle Wassererosion, N2 Vermiedene Wassererosion durch Kleinstrukturen, N3 Anteil des ökologischen Landbaus am Ackerland