
Kohlenstoffvorrat
Beschreibung
Im Kampf gegen den globalen Klimawandel kommt dem Erhalt natürlicher Kohlenstoffsenken eine besondere Bedeutung zu. Die Kenntnis dieser Senken ist für entsprechende Schutzmaßnahmen hilfreich.
Böden sind die größten Kohlenstoffspeicher in den Ökosystemen Deutschlands, insbesondere organische Böden wie Moore. Aber auch die (lebende und tote) Biomasse der Ökosysteme enthält beträchtliche Mengen an Kohlenstoff.
Die hier angegebenen Werte fassen die Kohlenstoffgehalte aller dieser Speichermedien zusammen. Um den gebundenen Kohlenstoff aufzuzeigen, bieten wir den Ökosystem-Zustandsindikator "Kohlenstoffvorrat" an.
Bei diesem Wert für den Speicherinhalt handelt es sich um eine Zustandsgröße, die eng verknüpft ist mit der Ökosystemleistung "Treibhausgasbindung und -emission" (pro Jahr), für die unter den regulierenden Ökosystemleistungen ein weiterer Indikator bereitsteht.

Quelle: IÖR
Die Ökosysteme in Deutschland enthielten im Jahr 2018 etwa 4,6 Mrd. t Kohlenstoff. Die größten Vorräte befinden sich in Bayern (0,9 Mrd. t C) sowie in Niedersachsen (0,3 Mrd. t C). Der Ökosystemzustand "Kohlenstoffvorrat“ wird als derzeitiger Gesamtgehalt (absolut oder pro Hektar an reinem Kohlenstoff, also nicht in Form von CO2) modelliert.
Mit den höchsten Werten stechen die Moor-Ökosysteme hervor, deren hohe unterirdische Kohlenstoffgehalte durch die darauf wachsende Vegetation nur wenig variieren. Mittlere Werte finden sich in feuchten Niederungen (meist unter Grünland) und in den Wäldern der Mittelgebirge, aber auch der Tiefländer; hier ist ein größerer Teil des Kohlenstoffvorrates überirdisch zu finden. Landwirtschaftlich genutzte Gebiete mit geringem Grünlandanteil und wenig Obst- oder Dauerkulturen in der Mitte Deutschlands besitzen die relativ geringsten Kohlenstoffvorräte.
Der Zustandsindikator "Kohlenstoffvorrat" zeigt, dass die Ökosysteme auf mineralischen Böden insgesamt 3,5-mal mehr Kohlenstoff bevorraten als die Moore in Deutschland. Neben einem konsequenten Moorschutz ist es also wesentlich, die Vorräte der großflächigeren mineralischen Böden zu erhalten und zu verbessern sowie Kohlenstoffeinbindung statt Treibhausgasemissionen zu gewährleisten. Dies kann durch angepasste Landnutzung sowie mit Bodenschutz ermöglicht werden. Landnutzung und Landschaftspflege können somit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten, der mit diesem Indikator quantifizierbar ist und dazu gezielt genutzt werden sollte.

Für den Zustandsindikator Kohlenstoffvorrat wurden die Gesamtvorräte separat für organische und mineralische Böden sowie für einzelne Nutzungstypen berechnet. Zur Abschätzung des Boden-Kohlenstoffgehaltes wurden Daten der Bodenübersichtskarte 1:250.000 (BÜK250) ausgewertet. Für die Berechnung des Boden-Kohlenstoffgehaltes wurden die Merkmale Humusgehalt und Lagerungsdichte der einzelnen Bodenhorizonte ausgewertet. Die grundlegenden Geodaten zu den Ökosystemtypen kommen vom Landbedeckungsmodell Deutschland (LBM-DE) vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG).
Wesentliche Angaben zum Kohlenstoffvorrat wurden dem Nationalen Inventarbericht zum Deutschen Treibhausgasinventar (NIR) entnommen, da dieser die Ergebnisse umfassender Monitoringprogramme im Agrar- und Waldsektor beinhaltet. Die Informationen aus der BÜK250 und der Landnutzungen wurden miteinander verschnitten. Des Weiteren wurden die Kohlenstoffgehalte für mineralische sowie organische Böden ermittelt und mit den Angaben aus dem NIR harmonisiert. Zu den korrigierten Boden-Kohlenstoffgehalten wurden die ebenfalls im NIR bilanzierten Kohlenstoffgehalte in der oberirdischen und unterirdischen Pflanzenbiomasse addiert, sodass sich ein Gesamtkohlenstoffvorrat für jedes Ökosystem, differenziert nach Böden und Landnutzungen, ergibt.
räumliche Bezugsebene:
Deutschland, terrestrische Landfläche, vollständig
Zeitschnitte:
2018 (3-jährig geplant)
Indikator:
Kohlenstoffvorrat (Ökosystem-Zustandsindikator)